Reha in Solvida – mein persönliches Fazit

Zwei Wochen in Solvida

Für erfahrene Chirurgen ist der Ersatz einer Hüfte durch eine Prothese mittlerweile eine Routineoperation. Für mich nicht! Ich habe nur zwei, von denen ich nicht einmal eine freiwillig ohne Not hergeben würde. Mit jahrelang zunehmenden Beschwerden signalisierte mir mein Körper jedoch genau diese Not und die Ärzte schlugen mir den Ersatz als Lösung vor. Ich hatte ja die Vorgeschichte berichtet. Hier nun der Bericht über den vorläufigen Abschluss der Aktion.

 

Der Einzug in das Hospital erfolgte am Montag, 20. Juni 2022 und die Operation fand am gleichen Tag statt. Am darauf folgenden Donnerstag, 23. Juni, befand man mich entlassungswürdig und ich zog in Solvida ein. Die Prozedur hätte ich, wie berichtet, auch einfacher haben können, aber genau wegen derartiger Erkenntnisse berichte ich ja darüber. Heute, am 7. Juli, sind seitdem genau zwei Wochen vergangen und ich beende den „stationären” Reha-Aufenthalt in Solvida, jedoch nicht die Reha.

 

Ein untypischer Patient 

Nun unterscheidet sich meine Situation durchaus von der vieler Patienten, die nach Krankenhausaufenthalten in Solvida versorgt werden. Oft ist es nämlich so, dass man Patienten einfach nicht nach Hause entlassen kann, weil sie dort nicht versorgt werden können. Weil sie keine Angehörigen haben, oder diese selbst nicht in der Lage sind, das zu tun. Das ist gerade hier an der Costa Blanca nicht so selten. In vielen Fällen war auch die Situation vor dem Krankenhausaufenthalt schon schwierig gewesen und danach eben noch schwieriger. Daher geht das Angebot in Solvida weit über eine herkömmliche Reha hinaus. Bei mir ist der Bedarf durchaus anders. Ich konnte mich vorher ohne fremde Hilfe versorgen und kann das jetzt auch wieder. Mit der Hilfe meiner lieben Frau auch mit Handicap völlig problemlos. Mein Ziel war und ist es, meine Beweglichkeit durch die Operation zu verbessern und die unmittelbaren Folgen der Operation zu überwinden. Dies will ich möglichst schnell, effizient und komfortabel erreichen. Dem diente auch mein Aufenthalt in Solvida. Heute bin ich mit meiner Entscheidung durchaus zufrieden. Ich würde es wieder so machen.

 

Mein persönlicher Nutzen

Im Hospital ging es darum, mich nach der Operation im medizinisch notwendigen Rahmen zu versorgen und wieder so weit auf die Beine zu stellen, dass ich möglichst schnell entlassen werden konnte. Das ist gelungen. Mehr kann man nicht verlangen. Es wäre allerdings übertrieben, zu sagen, dass ich in diesem Moment nicht noch auf Unterstützung angewiesen gewesen wäre. Das hätte, mit Einschränkungen, natürlich auch meine Frau leisten können. Mein Einzug in Solvida war kein Notfall. Trotzdem habe ich davon in mehrfacher Hinsicht profitiert.

 

Sicherheit

Bei der Ankunft in Solvida war ich noch stark in meiner Beweglichkeit eingeschränkt und stand unter dem Einfluss starker Medikamente. Für mich und auch meine Frau war es ein beruhigendes Gefühl, dass ständig jemand in meiner Nähe war, um notfalls kompetent helfen zu können. So ein kurzes „Hallo, wie geht es, alles in Ordnung?” alle paar Stunden und ein Notrufsystem mit dem Hilfe unmittelbar gerufen werden kann, geben Sicherheit. Im Unterschied zu vielen Patienten in Solvida konnte ich selbst zur Toilette gehen, mich selbst waschen und die Medikamenteneinnahme selbst organisieren. Trotzdem ist es kein Fehler, wenn gelegentlich einmal jemand nachsieht. In den ersten zwei Nächten schlief ich nicht besonders gut. Für mich ist es ungewohnt, nur auf dem Rücken liegen zu können, wobei die kleinste Bewegung eine ziemliche Aktion ist. In solch einer Situation fand ich es angenehm, wenn die Spätschicht, kurz vor dem Schichtwechsel um 23:00 Uhr, noch einmal kurz vorbeischaute, mir eine Flasche Wasser brachte und fragte, ob ich eine Schlaftablette wünsche. In den ersten drei Nächten wünschte ich. Kurz danach kam der „Antrittsbesuch” der Nachtschicht. Nur zur Sicherheit. Auch der kurze Kontrollblick ca. um 03:00 Uhr nachts störte mich weniger als er mich beruhigte.

 

Komfort

Mein Leben lang habe ich Abhängigkeit vermieden. Wenn ich etwas wollte, habe ich mich selbst darum gekümmert, es zu bekommen. Wenn ich Hunger hatte, habe ich mir/uns etwas zubereitet. Selbst wenn ich, selten, zu Hause krank im Bett lag, war es mir unangenehm, meine Frau „herumzuscheuchen”, um mich zu versorgen. Auch das war ein Grund, nach dem Krankenhausaufenthalt zunächst ein Zimmer in Solvida zu beziehen. Ein ganz normales Zimmer in einer unserer Pflegewohngemeinschaften. Ausgestattet mit einem Pflegebett, einem Relaxsessel, einem großen Fernseher, Kommode und entsprechenden Beistellmöbeln, um meine Sachen, Handy, iPad, Buch usw. ablegen und im Bett essen zu können. Hell und mit Zugang zu einer großen Dachterrasse mit spektakulärer Aussicht.

 

Erst wenn man seine Beine nur unter Schwierigkeiten ins Bett und hinaus wuchten kann, lernt man die Elektromotoren und die Fernbedienung eines Pflegebetts richtig zu schätzen. Kopf-/Rückenteil hochstellen, das ganze Bett heben, absenken, den Fußbereich heben und senken. Gerade in den ersten Tagen weiß man auch den „Galgen” am Bett zu schätzen, mit dessen Hilfe die Lage verändert werden kann, ohne die Muskeln im operierten Bein schmerzhaft anzuspannen. So etwas habe ich zu Hause nicht. Brauchte ich ja auch nur für wenige Tage.

 

Überhaupt war jedes Hilfsmittel ohne Aufwand für mich jederzeit verfügbar. Ob es der Rollstuhl für die Abholung war, der Gehbock für die ersten Gehversuche, die Aufstehhilfe und der erhöhte Toilettensitz in der Toilette, der stabile Sitz in der Dusche, die Geräte und Hilfsmittel für die Physiotherapie usw. Alles da und in einem vollständig barrierefreien Umfeld komfortabel nutzbar.

 

 

Anfangs war es für mich angenehmer, das Essen im Bett bzw. Zimmer zu mir zu nehmen. Kein Problem! Als ich selbständig schon weiter als bis zum Bad gehen konnte, hatte ich Spaß daran, zu den Mahlzeiten mit dem Lift runter zum Club zu fahren und dort mit den Mitbewohnern gemeinsam zu essen. Abwechslung, Unterhaltung und wirklich gutes Essen in angenehmem Ambiente! Wollte ich meine Ruhe, ging ich in mein Zimmer und machte die Tür zu. Meine Frau besuchte mich, wann immer sie oder ich wollte und konnte den Hund mitbringen. Dabei wusste sie mich immer gut versorgt, konnte sich um Haushalt und Hund kümmern und ihre Zeit frei einteilen. Bei Bedarf hätte sie auch mit mir in Solvida essen können oder sogar mit mir zusammen einziehen. Bei uns war das eine Option. In vielen anderen Fällen eine Notwendigkeit. In Solvida geht das. Übrigens bin ich überrascht, dass mein Gewicht sich zwischen dem Einzug in das Krankenhaus und heute fast überhaupt nicht verändert hat. Dabei wiegt doch das Ersatzteil mehr als der entfernte Knochen. 

 

Ein weiterer, wirklich enormer, Komfortgewinn ist mir erst in Solvida richtig aufgefallen. Ich hatte im vorigen Blog schon erwähnt, wie ich unsere Pflegedienstleiterin, Sonia, auf meinen Wunsch, zu duschen, angesprochen hatte. Danach muss der Verband, weil nass, gewechselt werden. Kein Problem, wenn das im Haus möglich ist. Eine Sache von 5 Minuten. Inzwischen hat Sonia auch die ersten Klammern entfernt. Dienstag folgt der Rest. Im Centro de Salud hätte ich jedesmal vorher einen Termin vereinbaren müssen, hinfahren, warten … Wenn man Hilfe im Haus hat, ist das vielleicht kein Problem. Ich empfand trotzdem gerade diese Möglichkeit in Solvida als besonders komfortabel.

Reha

Im vorigen Blog hatte ich die ärztliche Verordnung/Empfehlung für die Wiederherstellung der Beweglichkeit gezeigt. Durchaus rudimentär. Aus vielen Gesprächen mit Hüftpatienten, schon vor Jahrzehnten mit meiner Mutter, wusste ich, dass nach einer Hüftoperation das richtige Gehen und die „normale“ Beweglichkeit erst wieder unter fachkundiger Anleitung und mit Unterstützung gelernt und trainiert werden musste. Man muss die instinktive Schonhaltung überwinden, um Muskelabbau und falsche Bewegungsmuster zu vermeiden. In Deutschland wird dazu üblicherweise eine dreiwöchige Rehabilitation in einer Kur- oder Rehaklinik verordnet. Man ist aus dem Alltag herausgenommen, wird versorgt und kann sich auf die Wiederherstellung konzentrieren. Das Fehlen solcher Einrichtungen in Spanien ist für viele Patienten der Grund, für eine solche Operation nach Deutschland zurückzukehren.

 

In Solvida haben die Therapeuten mir die für mich richtigen Übungen gezeigt und mich dabei begleitet, gesichert und korrigiert. Auch haben sie mit ihrer Kenntnis und Erfahrung überwacht, dass ich mich an die Grenzen herantaste, ohne sie zu überschreiten. Dabei habe ich nicht nur die Hilfsmittel genutzt, die in Solvida verfügbar sind, sondern auch gelernt, wie ich z.B. im Alltag zu Hause eine Sessellehne oder ein einfaches Trainingsband als effiziente Sportgeräte einsetzen kann. Zwei Wochen nach der Operation bin ich ohne fremde Hilfe, nur durch den Therapeuten gesichert, in Solvida zuerst drei Stockwerke hinunter und dann wieder hinaufgegangen. Das konnte ich vor der Operation nicht ohne Schmerzen. Inzwischen muss ich aufpassen, nicht zu viel Ehrgeiz zu entwickeln. Der gestrige Einkaufsbummel im Centro Comercial in Ondara war schon etwas grenzwertig. Für mich und die Therapeuten ist es eine zusätzliche Herausforderung, dass ich das linke Knie nicht normal belasten kann. Die Übungen auf dem Fahrrad beispielsweise machen mir auf der operierten Seite keine Schwierigkeiten. Wegen des Knies ist jedoch nach etwa 10 Minuten Schluss. 

 

In der nächsten Woche stehen noch einige Aktionen an: Zwei Termine zum Röntgen und zur Nachuntersuchung durch den Operateur im Hospital. Das Ziehen der letzten Klammern und weitere Therapiesitzungen in Solvida. Zu diesen Terminen bringt mich meine liebe Frau von zu Hause aus. Wahrscheinlich kann/darf ich in der darauf folgenden Woche schon wieder selbst Auto fahren. Dann wird alles wieder weitgehend normal sein. Allerdings wird es noch Monate dauern, bis alles endgültig ausgeheilt und belastbar sein wird. Dann folgt das Knie. Aber dann!

 

Fazit

Mein Reha-Aufenthalt in Solvida war ja nichts Neues für Solvida. Für mich schon. Aus Patientensicht. Während ich meine Sachen für den Auszug packte, traf ein neuer Patient ein. Per Ambulanz liegend gebracht. „Nur” ein Armbruch. Der allerdings war durch einen Sturz zu Hause entstanden. Ausgelöst durch den Allgemeinzustand und die bereits vorher bestehende Bewegungseinschränkung des betagten Patienten. Dieser Patient wird noch länger eine Rundumversorgung brauchen. Zunächst für vier Wochen. Vielleicht für immer. Zunächst organisiert durch eine befreundete Nachbarin. Er ist jetzt in guten Händen.

 

Ich bin wieder bei Frau und Hund zu Hause. Sitze ohne Schmerzen auf der Terrasse, schreibe an diesem Beitrag, kann mir meine Getränke selbst holen und freue mich auf das Mittagessen. Es wäre übertrieben, zu behaupten, dass hinter mir ein schöner Urlaub liegt. Mit den erlebten Erfahrungen jedoch gehe ich sehr entspannt in die anstehende Knie-Operation. Vielleicht können meine Berichte auch zu Ihrer Entspannung beitragen, wenn eine derartige Operation vor Ihnen liegt. Die zwei Wochen in Solvida im modernen Einzelzimmer mit Betreuung, Vollpension und Physiotherapie haben insgesamt deutlich weniger als 2.500 Euro gekostet. Mir war es das wert!